Jugend- und Sozialarbeit, epische Siege gegen Holstein-Spieler und Pyrostrafen in der Betriebssportsliga. Seit fünf Jahren ist das Fanprojekt Kiel am Start undseitdem hat sich einiges entwickelt. Zeit für einen CCK-Fragebogen und herzliche Glückwünsche!

 

Wie fühlen sich fünf Jahre mit Holstein und der Szene an?

Ulli und Mathias: „Wir verstehen die Frage nicht, da wir von 40 und 20 Jahren sprechen 😉 Aber du meintest bestimmt aus Fanprojekt-Sicht.“

Jerome und Yvonne: „Auf der einen Seite viel kürzer, da unser Alltag wahnsinnig kurzweilig ist. Auf der anderen Seite viel länger, da einfach schon so unfassbar viel passiert ist und gefühlt jede Saison um Auf- oder Abstieg gespielt wurde und es für alle unglaublich emotional war …. Wobei man fairerweise sagen muss, dass seit wir da sind, eher um Aufstiege gespielt wurde 😉

 

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Alle: „Wir haben das Gefühl, als Fanprojekt in der Holstein-Familie angekommen zu sein und freuen uns über all die Menschen, die wir bereits kennenlernen durften. Es sind viele intensive zwischenmenschliche Beziehungen entstanden. Fanprojektarbeit bedeutet immer, auch mal zu polarisieren und zu kritisieren, aber wir haben das Gefühl, dass wir uns das Recht erarbeitet haben, eine eigene Meinung innerhalb der Gemengelagen zu haben.“

 

Vielleicht wissen einige Holsteiner ja noch gar nicht so genau, was ihr macht. Was sind denn überhaupt eure Aufgaben an Spieltagen und dazwischen?

Wir (das sind Yvonne, Böhmi, Wollo und Ulli) unterstützen an Spieltagen die Kommunikation zwischen allen beteiligten Akteuren und begleiten ebenfalls zu Auswärtsfahrten. Das kann dann alles Mögliche sein, z. B. versuchen wir zu vermitteln und Situationen zu lösen, wenn man sich plötzlich in einem Polizeikessel wiederfindet, aber auch einfach mal sabbeln über alles, was die Leute gerade so bewegt oder Hilfsangebote machen von Hausaufgaben bis hin zu privaten Schieflagen aller Art. Immer mal wieder bieten wir auch eigene Fahrten (U18 oder Ü18) im 9er zu Auswärtsspielen an, die dann gerne noch ein anderes Hopping-Spiel und / oder kulturelle, historische Sehenswürdigkeiten miteinschließen.

Außerdem haben wir eine eigene Betriebssportmannschaft gemeldet, in der jeder, der Lust hat, ab und zu in lockerer Runde aber mit Ligacharakter und wechselnden Gegnern zu kicken, sich melden kann. Bei Interesse erfahrt ihr alles Weitere bei Wollo.

 

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Dazu haben wir noch unsere Räume in der Von-Der-Tann-Straße 3a, in denen Fans jederzeit herzlich willkommen sind, um am Rechner an Choreos zu arbeiten, zu kickern, zu kochen, FIFA zu spielen oder sich Dinge von der Seele zu reden, die dann natürlich den Raum nicht verlassen. Außerdem organisieren wir Lesungen, Filmvorführungen und Vorträge zu Themen rund um Fußball mit Personen, die uns interessant erscheinen (wie bisher z. B. mit Christoph Ruf, Tom Bodde, Instanbul United usw.). Wir könnten jetzt noch weiter ausholen und mehr Beispiele nennen, aber Bücher schreiben kannst du besser als wir 😉 Fakt ist, Fanprojekte gibt es rund 60 mal in Deutschland und es sind immer Einrichtungen im Netz der offenen Jugend- und Sozialarbeit, so ist unser Träger z. B. die AWO. Wir haben kontinuierliche Angebote, aber natürlich auch viele spontane Termine wenn’s „irgendwo brennt“ oder auch regional besondere Aktionen, wie im vorletzten Jahr einen Segeltörn, den man eben nicht überall machen kann, sondern am besten im schönsten Bundesland der Welt <3

Wer mehr darüber wissen möchte, was Fanprojekte genau sind und wonach wir arbeiten, der kann sich u. a. auf der Seite der Koordinationsstelle (www.kos-fanprojekte.de) informieren oder natürlich auch einfach mal bei uns vorbei kommen oder ein Pläuschchen im Stadion halten. Bloß nicht schüchtern sein.

 

Was war denn der Höhepunkt in den fünf Jahren? Aus sportlicher Sicht, aber auch was das Fanprojekt betrifft?

Der sportliche Höhepunkt war natürlich der Aufstieg in die 2. Liga, aber krasser war fast das 1860 Relegationsrückspiel. Hier haben auch wir (Böhmi und Yvonne) gemerkt, wie emotional verbunden wir mittlerweile mit der Holstein-Familie sind und wie Nahe uns der zu Unrecht verpasste Aufstieg der Mannschaft ging.

Eines der verrücktesten Erlebnisse war die Tatsache, dass wir mit unserer Betriebssportmannschaft als einzige jemals eine Strafe (im mittleren zweistelligen Bereich) wegen Pyro-Einsatz bekommen haben und die verdutzten Gesichter des Sportgerichts aufgrund der Einmaligkeit dieses Vorfalls 😉

Böhmis persönlicher Höhepunkt war die 3:1 – Klatsche, die er Schindler in unseren Räumlichkeiten bei FIFA verpasst hat, während Czichos danebenstand und sagte: „Junge, was macht der mit dir?“

Ansonsten kann man sagen, dass jeder Tag ein bisschen anders ist.

 

Bedeutet die erfolgreiche Entwicklung des Vereins für euch auch mehr Arbeit? Vor fünf Jahren war ja sicher auch alles noch ein bisschen kleiner …

Es entsteht automatisch im Laufe der Zeit mehr Arbeit, da wir immer mehr Leute kennenlernen und uns Vertrauen entgegengebracht wird, was vielleicht am ersten Tag noch nicht vorhanden war. Aber du hast natürlich Recht – der Zulauf in die Fanszene ist auch für uns spürbar. Wir glauben auch, dass viele Leute Holstein Kiel als großen Norddeutschen Club bis zum Zweitligaaufstieg gar nicht so auf dem Schirm hatten, die nun langsam alle zu Stammgästen werden könnten.

Ebenfalls interessant sind für uns natürlich die Strukturen, die immer größer werden und die mehr Raum für neue Impulse mit unterschiedlichen Partnern geben. So zum Beispiel die gemeinsame Arbeit an der Einführung einer Stadionverbotskommission, die es bisher nicht gab.

In den letzten Jahren haben auch gerne mal Trainer und Spieler bei euch vorbeigeschaut, aber auch Vereinsoffizielle. Wie ist da das Feedback?

Das stimmt! Von Neitzel über Anfang bis Schindler und Czichos hatten wir schon viel spannenden Besuch. Die Abende waren immer sehr nett, da sie Interessierten die Möglichkeit geben, sich im kleinen Rahmen bei FIFA, Kicker oder am Küchentisch auf Augenhöhe mit Spielern und Trainern zu unterhalten. Wir hatten immer den Eindruck, dass dies auch für die Spieler recht entspannte Termine waren. Gerne versuchen wir, bald mal wieder einen Klönschnack mit neuen und / oder alten Gesichtern bei uns in die Wege zu leiten.

 

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Wie sehen die Pläne für die nächsten Fünf Jahre aus?

Einmal mit Holstein europäisch unterwegs sein. Aber das haben wir ja 1. nicht in der Hand und ist 2. auch erst für 2045 geplant 😉

Wir haben einige Ideen, die wir gerne realisieren würden, wie zum Beispiel einen „Lernort Stadion“, sind aber auch sehr zufrieden, mit allem, was wir schon auf die Beine gestellt oder mitbegleitet haben. Ansonsten ist die Arbeit sehr bedarfsorientiert und an aktuellen Ereignissen ausgerichtet, sodass es schwer ist, genau zu sagen, was als nächstes geplant und gebraucht wird. Grundsätzlich freuen wir uns auf mindestens fünf weitere spannende Jahre mit inzwischen alten, liebgewordenen Bekannten und vielen neuen Gesichtern, die von ihrem Glück noch nichts wissen 😉

 

Und was wünscht ihr euch für die Liga-Mannschaft in dieser Saison?

Dass sie trotz der vielen personellen Veränderungen schnell zu einer Einheit wird und sich mit dem neuen Spielsystem identifizieren kann. Wir wünschen uns, dass alle Spieler das Gefühl haben, gerne hier zu spielen und zu leben und man dies auch auf dem Platz merkt, wie es in der letzten Saison so häufig der Fall war. Außerdem würden wir uns freuen, wenn Fußballgötter wie Hermi oder Persönlichkeiten wie Peitz nicht schleichend aus dem A - Kader verschwinden, sondern ihre wichtige Rolle als Identifikationsfiguren auf dem Platz behalten.

Allen anderen Teams der Holstein-Familie wünschen wir natürlich ebenfalls viel Glück und eine erfolgreiche Saison 18/19.

 
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